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ECHSENFRAU

 

Hier ist ein kleiner rheinhessischer Sketch aus dem Jahre 1470 – direkt aus der Mainzer Werkstatt, wo die Lettern tief fliegen.

"Dribbdebach-Drucker-Drama"

Ort: Die Gutenberg-Werkstatt in Mainz. Überall Ruß, Weinreben-Kranz an der Wand, schwere Eichenpressen.
Personen:

Henner (Johannes Gutenberg): Grantig, Genie, hält ein Weinglas.

Peter (Schöffer): Jung, ehrgeizig, fängt gerade die Lettern.

(Szene beginnt)

Henner: „Babbel net, Peter! Die Zeil’ hockt schief wie de Dom im Wind! Werf mer mol e großes ‚D‘ rüber, awwer e knackisches!“

Peter: (wirft ein massives Blei-D durch den Raum

Lettern fliegen. In diesem Moment kommt der reiche Johann Fust mit dem Mainzer Bischof zur Tür herein. Das fliegende „D“ trifft Fust am Hut, das „E“ landet im Weihwasserkessel des Bischofs.)

Fust: (empört) „Sagt mal, brennt euch de Kittel? Ich investier hier mei Gold, un ihr spielt hier Weitwurf mit de heiliche Schrift?“

Bischof: (fischt das ‚E‘ aus dem Kessel) „Ein ‚E‘? Ist das für ‚Exkommunikation‘ oder ‚Einfaltspinsel‘?“

Henner: (trocken) „Des ‚E‘ steht für ‚Erschtmal e Schoppe trinke‘, Hochwürden. Un des ‚D‘ beim Fust uff’m Kopp steht für ‚Dankbarkeit‘ – dass de Kopp noch druff is!“

Peter: (grinst zu Fust) „Gucken Se mol, Herr Fust: Des is die neuste Erfindung. Wir drucken jetzt nimmer uff Papier, wir werfen die Botschaft direkt an de Mann! Des nennt mer ‚schlagfertiche Argumente‘!“

Fust: „Des is ka Kunst, des is Korruption an meim Geldbeutel! Ich verklag dich, Henner!“

Henner: (schulterzuckend) „Soll er doch! Dann kriegt der Schöffer hier de Lade un ich mei Ruh’.“

Peter: (blickt in die Kamera, während sich Fust und Henner im Hintergrund lautstark beharken) „Tja, Leut’... so fängt des an. Die Moral von de G’schicht? Wenn zwei sich streite, freut sich de Papst in Rom – weil am End’ müsse se bei uns alle die Ablassbriefe drucke lasse, damit se widder in de Himmel komme!“

(Abblende: Ein fliegendes „X“ knallt gegen das Kameraobjektiv


„Die Schwarze Kunst – Zwischen Blei und Wahnsinn“

 

1. Kulturelle Relevanz: Erbe statt Klamauk - Typokinetik für die Primetime

Die Reihe füllt die Lücke zwischen historischer Dokumentation und moderner Unterhaltung. Indem wir den „Mann des Jahrtausends“ (Gutenberg) und seinen „literarischen Sohn“ (Schöffer) in den Wormser/Mainzer Dialekt zurückholen, entmystifizieren wir das Genie und machen die Geburtsstunde unserer Informationsgesellschaft greifbar. Es ist Bildung durch Spiegelung.

2. Ästhetik der Deutlichkeit (Statt Adjektiv-Schwulst)

Getreu dem Motto „Guter Stil ist deutlicher Stil“ verzichtet die Inszenierung auf historisierende Weichzeichner.Die Werkstatt ist dunkel, die Lettern sind schwer, die Sprache ist direkt. Das „Niveau“ entsteht hier nicht durch Gelehrsamkeit, sondern durch die Präzision der Pointe. Wenn Buchstaben fliegen, wird das abstrakte Alphabet zur physischen Waffe – das ist

3. Das Narrativ der Streitkultur

Der Sketch zeigt die Wurzeln der europäischen Debatte. Die Korruption (Fust), die Vision (Gutenberg) und die Professionalisierung (Schöffer) prallen im Dialekt aufeinander. Das Theater vermittelt hier ein tiefes Verständnis für die Moral der Geschichte: Fortschritt entsteht nicht durch Konsens, sondern durch den produktiven (und manchmal schmerzhaften) Streit zwischen Kapital und Erkenntnis.

4. Regionale Identität mit globalem Anspruch

Der Wormser/Mainzer Dialekt ist hier kein folkloristisches Beiwerk, sondern das authentische Transportmittel für eine globale Revolution. „Niveau am Bildschirm“ bedeutet hier, die Heimatsprache des Buchdrucks als universelles Medium der Streitkultur zu feiern – „Wenn zwei sich streite, freut sich de Pabst.“

Konklusion:
Diese Reihe bietet dem Zuschauer die seltene Chance, über die eigene Herkunft zu lachen, ohne die Hochachtung vor der intellektuellen Leistung zu verlieren. Ein klarer Fall von Bildungsauftrag mit Augenzwinkern

 

 

 

noch eine Szene

Henner (Gutenberg): Altmeister, hat den Blues.

Peter (Schöffer): Der „Ziehsohn“, fängt die Brocken auf.

Der Bischof: Kommt zur Unzeit rein.

(Szene beginnt)

Henner: „Peter! Die Seit’ is so leer wie mei Beidel! Werf mer mol e ‚A‘ rüber – fer den Anfang vom Elend!“

Peter: (pfeffert ein Blei-A durch die Werkstatt) „Do haste dei ‚A‘, Meister! Fang das ‚U‘ direkt hinnerher, fer ‚Unverschämtheit‘!“

(In dem Moment geht die Tür auf. Der Bischof tritt ein, prunkvoll gewandet. Das ‚A‘ zischt links an seiner Nase vorbei, das ‚UI‘ kracht rechts in einen Stapel Ablassbriefe.)

Bischof: (erschrocken) „Um Himmels Willen! Werft Ihr hier mit den Werkzeugen des Herrn nach Seiner Geistlichkeit?“

Henner: „Ach, Hochwürden... mir werfe net, mir komponiere! Werf mer es ‚S‘, Peter! Es ‚S‘ wie ‚Segen‘!“

Peter: (zieht voll durch) „Hier kommt es ‚S‘!“

(Das schwere Blei-S trifft den Bischof direkt auf den dicken Bauch. Er schnauft kurz auf.)

Bischof: (sieht auf sein Gewand) „Ein ‚A‘, ein ‚U‘ und ein ‚S‘? Was soll das bedeuten?“

Peter: (grinst dreckig) „Des heißt ‚AUS‘, Hochwürden! Aus is de Friede! Ab jetzt wird gestritte, wer de Ruhm kriegt. De Fust will mei Geld, de Henner will sei Ehr’ – un Sie kriege de Blaue Fleck!“

Henner: (schenkt Wein ein) „Siehste, Peter... wenn zwei sich streite, freut sich de Pabst. Weil der kriegt am End’ die Rechnung fer die Kopie vom Urteil!“

(Abblende: Ein fliegender Farbbeutel klatscht gegen die Wand und bildet ein perfektes Fragezeichen

 

About - Peter Schöffer

Comic One-Pager Retro: von jeder Bank nur Zwei

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