Gibt es ein Kunstwerk welches a) im Verkehrsraum
steht, b) den Verkehr nicht beeinträchtigt; c) künstlerisch
ansprechend ist und d) gleichzeitig ein Wahrzeichen sein kann.
Womöglich in Worms?
Das Wahrzeichen der Stadt Worms ist unbestreitbar
der Dom. In ihm vereint sich kühne Representanz mit geschichtlicher
Bedeutung und dieses in ansprechender Grösse und am besten
Platz. An zweiter Stelle steht mit markanter Silhouette der
Brückenturm am Rhein. Von nah und fern erfreut sein wuchtiges
Aüsseres als Tor zur Stadt. Passieren wir ihn fühlen
wir uns angekommen. Wo dort früher Besucher staunend vor Toren und
Pforten der Stadt Schlange standen dreht sich 2005 der Verkehr.
Nach Fertigstellung von Kreisverkehrsanlagen rund um den historischen
Stadtkern und an den Ausfallstrassen wird sich der Kulturausschuss
in den nächsten Jahren mit Gestaltungentwürfen befassen.
KREISELKUNST und WORMS sind daher ein besonderes Kapitel der
Wormser Stadtgeschichte. Sie sind in ihrer Kombination auch typisch für
den Nibelungentrend der Stadt. Wenn die Stadt ein Wahrzeichen
möchte bietet sich die widererstellte Neupforte an der
Stadtmauer (Fussgängerzone/Lutherplatz) an. Davon hätten Fussgänger und Touristen
etwas. Schon vom Bahnhof aus verkündet dieses 34 m hohe
Turm; seht her ich bin repäsentativ. In Worms ist Platz für Ideen. Doch die kommen nicht alle Jahre wieder. Vom pflegeleichten Leistungsgrün bis zur ortsüblicher
Partnerstadtsbeflagung als Schilderbegrüssungswall reichen
die viele Entwürfe die zur Discussion stehen; - ebensoviele
Manifestationen heimischer Künstler gibt es. Allein die Frage der Finanzierung eines einzigen
Objektes bereitet Kopfzerbrechen. Für die Stadt ist die
finanzielle Last allein nicht zu tragen. Am besten wäre
es, die Künstler bringen ihre Sponsoren und Förderer
gleich mit oder finanzieren es selbst und schenken es dann der
Stadt.
Der
Kreisel in Form eines Kreisels ist so besehen die direkte Umsetzung
einer verbalen Metapher. Klaus Krier der mit diesem Entwurf auf Sponsorensuche
ist kennt die Tücken. Orginell, bunt und fröhlich
soll es angenehme Erinnerungen wecken. Mit 7 m will sein Projekt
hoch hinaus. Doch bei der Dimensionierung härt der Spass
nun auf und schüttelt Statiker und Ingenieure auf den Plan.
Torsionskräfte rütteln an dem windkanaltauglichen
Kreiselkörper, anderen die Köpfe.
Die
Nibelungenringe von Felix Göttle (Rathenaustr./Brunhildenbrücke)
stellen Begriffspaare da. Die "Ringe der Freundschaft", der
Macht der Liebe haben einen direkten Bezug zur Nibelungenthematik
und würden idealerweise in der Nähe des Theathers
stehen. etc. Eine ganze Serie schwebender Objekte hat der Künstler
digital gekonnt inszeniert. Die Idee ist gut da man als Tourist sagen kann man
habe den Nibelungenring nicht nur gesehen sondern es gibt auch
eine Strasse die so heisst wo man darauf hinfahren kann.
Eine
Installation die Neugierde auf den sagenhaften Nibelungenschatz
weckt ist die Rheingold-installation (Rathenaustrasse) von Bernd
Kammer. Innovativ ist bestimmt die öffentliche Darbietung
von so einer Menge Edelmetall. Der vermutlich grösste Batzen
Gold der Welt wird zudem mit Licht ins sphärische erhoben.
Man stelle sich vor einer geht hin und baut es. Hoffentlich
in Worms .
Die "Worms" Würmer von Yvelle (Boris Alexander Kehl)
sind womöglich auf einen Förderer aus der Touristikbranche
angewiesen. Das Kreiselobjekt setzt genau dort an wo touristisches
Nachschlagwerk der englischen Sprache versagt. Während in der Übersetzung "Worms"
keine Stadt ist sondern etwas anderes, zeigen Yvelles Würmer
genau das was man dabei denkt. Eine handvoll bunter Lindwürmer nähren
so die Erwartungshaltung von der humoristischen Seite an eine
Stadt die Spass verträgt.
Mo
Magic "Terminal One" ist ein bereits realisiertes Kreiselobjekt
(vor der Martinspforte) Es zeigt Comic-Fahrzeuge die zu einem
Haufen aufgetürmt die Parksituation Mitte der 90er parodieren.
Die Installation zudem nicht frei an Kritik am Vehikel
Auto. Damit ist eigentlich schon vieles aufgezeigt; den kritische
Kunst und zudem zeitgenössische von einem jungen Künstler
ist selten. Es überwiegen Deko die nicht weh tut.
Eckard
Schembs Pferde grasen kostenneutral den sie sind bislang
Leihgabe des Künstlers. Die rostigen Pferde eignen sich ganz von allein die
"grüne Perlenkette" am Pfortenring an. Hierin liegt der
Schlüssel zu einem temporären Verständnis von
Kunst im öffentlichen Raum. Es brauchen ja nicht immer Drachen sein die zum Eiertanz
durch die Instanzen antreten.
100 Jahre alt ist der Brückenturm am
Rhein. Sein Erbauer Hofmann hatte Abbildungen der Mainzer
Pforte als Vorbild. Sein markantes Erscheinungsbild im Nibelungenstil
ersetzt den 1689 zerstörten Neuturm die fehlende Schiffsbegrüssungsanlage
am Rhein.
Den Wasserturm haben viele Wormser in ihr Herz geschlossen.
In ihm verbinden sich alle Vorteile eines Stadtzeichens mit
dem Charakter eines Leuchturms.
Das alljährliche Wasserturm-Strassenfest ist Ausdruck
einer Beliebtheit die über die allgemeine Bürgerakzeptanz
für Bauwerke hinausgeht. Das Quartier um den Wasserturm ein Stück:
Heimat