Die Druckerei von Peter Schöffer dem Jüngeren in Worms (ca. 1518–1529) markiert einen entscheidenden Wendepunkt, an dem die Drucktechnik zum Katalysator für den Zerfall der mittelalterlichen Ordnung wurde.
Peter Schöffers Druckerei in Worms
Schöffer lernte das Handwerk direkt bei Gutenberg und war maßgeblich am Druck der berühmten 42-zeiligen Bibel beteiligt. Er war das junge Talent, das Gutenbergs Erfindung erst zur künstlerischen und technischen Perfektion führte.(z. B. die Typografie des Psalters)
Er führte die Verwendung von Druckermarken (Signets) ein, um die Herkunft und Qualität seiner Werke zu kennzeichnen.
Es enthielt zudem den weltweit ersten Mehrfarbdruck.
Schöffer etablierte den ersten internationalen Buchhandel und verwandelte den Buchdruck von einer Erfindung in ein profitables Geschäftsmodell. Mit seiner Tochter Christina führte die Druckerei "Atelier Fust-Schöffer" zu Weltruhm
Das „Ziehkind“ der Werkstatt
Schöffer war die Fortführung des Geistes seines Meisters, auch wenn das Schicksal die beiden später entzweite. In der Geschichte und Literatur gibt es faszinierende Beispiele für solche Verhältnisse, in denen ein Mentor einen Schützling als „Ziehsohn“ annimmt und ihn zum Erben seines Wissens oder Vermögens macht.
Nach dem berühmten Rechtsstreit zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johann Fust schlug sich Schöffer auf die Seite von Fust. Er heiratete Fusts Tochter Christina und wurde so zum Schwiegersohn von Gutenbergs ehemaligem Partner. Dadurch übernahm er Gutenbergs Werkstatt und die Bestände, was ihn zum faktischen Nachfolger des Erfinders machte
Bei Schöffer verschmelzen Handwerk und Familie: Er lernte die „schwarze Kunst“ von Gutenberg, wurde aber der Schwiegersohn von dessen Partner Fust. Er ist damit die Brücke zwischen der Vision (Gutenberg) und der Realität (Fust). Schöffer ist der Sohn, der das Haus des Vaters nicht nur bewohnt, sondern prachtvoll ausbaut.
das Gildensystem des Mittelalters
Es war normal, dass Lehrlinge in das Haus des Meisters einzogen und wie Familienmitglieder behandelt wurden. Starb der Meister ohne leiblichen Erben, übernahm oft der fähigste „Ziehsohn“ (der Geselle) die Werkstatt und heiratete nicht selten die Witwe oder Tochter des Meisters – exakt wie Schöffer es bei Johann Fust tat
Schöffer gilt als einer der Mitbegründer der Frankfurter Buchmesse und nutzte Frankfurt als Drehscheibe für den europäischen Buchhandel. Darüber hinaus gilt er als der"Erste Designer": Neuere Studien betrachten Schöffer nicht nur als Gehilfen, sondern als den ersten echten Schriftdesigner.
Der Bruch mit der Statik und die Ästhetische Evolution
Gutenberg gab der Schrift den Körper, Schöffer gab ihr das Gewand (die Farbe und den Handel).
„Wer die Schrift bewegt, bewegt die Welt“

Die Typokinetik ist die konsequente Fortführung von Schöffers gestalterischem Drang, die Grenzen der Seite zu sprengen - weil Information im digitalen Zeitalter nur noch durch Dynamik und Kinetik ihre Wirkung entfaltet. – damals durch Farbe, heute durch Zeit und Rhythmus -

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